St. Nikolaus Hospital

 

Als Zeuge alter Kulturlandschaft steht das 500 Jahre alte St. Nikolaus Hospital, das Erbe des großen Phi- losophen und Kardinals Nikolaus von Kues, am Moselufer.

"An einem der reizvollsten Punkte des schönen Moseltals gelegen, lagert sich in weiten Gartenanlagen das St. Nikolaus Hospital bei Kues mit seinen weiten, fast 500jährigen Gebäuden, einem schmucken gotischen Gotteshause mit anschließendem Kreuzgang, umgeben von zahlreichen Zellen und anderen Räumen und den nötigen Wirtschaftsgebäuden". So beschreibt Jakob Marx am Anfang unseres Jahrhunderts das St. Nikolaus Hospital, und an der Schönheit und Würde dieser Stätte hat sich auch in der Gegenwart nichts verändert, wenn auch die Gärten nicht mehr in dem alten Umfang bestehen und sich heute dort eine Begegnungsstätte für ältere Mitbürger und die Seniorenakademie befinden.

Nikolaus von Kues faßte den Entschluß zur Errichtung des Hospitals schon einige Jahre vor seiner Erhebung zum Kardinal im Januar 1450. Zusammen mit seiner Schwerster Klara und seinem Bruder Johannes wollte er nach dem Tod seines Vaters das gesamte elterliche Vermögen der Stiftung zuwenden, die den Namen seines Patrons, des heiligen Nikolaus, erhielt und an der Stelle errichtet wurde, an der eine Nikolauskapelle am Ufer der Mosel stand.

Der Bau wurde zwischen 1450 und 1457 errichtet. Baumeister war der Kanonikus und spätere Rektor Theoderich von Xanten, der dem Kardinal geistig sehr verbunden war, sodass der Bau viele Ideen des großen Philosophen widerspiegelt: die Einheit in der Vielfalt, die Verschiedenheit aller Dinge, die in der Unendlichkeit in Eins fallen (coincidentia oppositorum).

Die Baukosten betrugen 10.000 rheinische Goldgulden. Die Stiftungsurkunde trägt das Datum vom 3. Dezember 1458. Danach soll das Haus nach der Zahl der Lebensjahre Christi, 33 Bedürftigen, wenigstens 50 Jahre alten Männern, darunter sechs Geistliche und sechs Adlige, Wohnung und Unterhalt gewähren. Die Einweihung konnte erst nach dem Tode des Kardinals vorgenommen werden, nämlich am 22. Juli 1465. Danach wurden die ersten Pfründner aufgenommen und seit diesem Tag an steht das Stift bis heute ununterbrochen, Tag und Nacht, im Dienst an den Mitmenschen.

Im wesentlichen blieb das Hospital in seinen Baulichkeiten unverändert so bestehen, wie es der Stifter erstellt hatte. Erst 300 Jahre danach, in der Barockzeit, wurden zwischen 1748 und 1778 Ergänzungs- und Umbauten vorgenommen, vor allem unter Rektor Stefan Schoenes (1754- 1783). Dabei wurde das Wirtschaftsgebäude teilweise umgebaut, zum Teil neu errichtet. Ein früher achteckiger Treppenturm an der Hoffassade wurde durch eine geradeläufige Treppe mit neuem Portal und Giebelrisalit ersetzt, eine Neugestaltung sämtlicher Obergeschossräume durchgeführt und eine Verbindung der alten Bibliothek und der Küche durch einen neuen barocken Moselflügel hergestellt, der im Erdgeschoss einen Konventsaal und im oberen Geschoss eine neue Rektorwohnung mit Gästezimmer enthält.

Die Kapelle ist ein bedeutendes Bauwerk der Gotik. Sie hat zwei Teile: den Laienraum mit einer Säule, aus der 12 Rippen hervorgehen, die das Gebäude tragen: ein Symbol dafür, dass die Kirche auf Christus als Säule und die 12 Apostel gegründet ist. Im anderen Teil, dem Chorraum, steht der große Flügelaltar mit der Darstellung des Leidens und Sterbens Christi und dem Bild des Stifters, Nikolaus von Kues, am Stamm des Kreuzes. Im Altarraum, unter einer Messingplatte, ruht in einer Bleikapsel das Herz des Stifters.

Bemerkenswert in der Kapelle sind noch das Wandbild, welches das Jüngste Gericht darstellt, und die Grabplatte mit der Darstellung der Schwester des Stifters.

Der Kreuzgang ist nach dem Innenhof geschlossen. Jeder Flügel hat ein eigenes Netzgewölbe. Auch die 22 dreiteiligen spitzbogigen Fenster sind voneinander verschieden: jedes Maßwerk ist anders. Doch als Gesamtwerk bilden sie eine harmonische Einheit, in der die Gegensätze und Verschiedenheiten aufgehoben werden. Hier wird die "coincidentia oppositorum" besonders sichtbar und spürbar.

Der gotische Säulenraum, ehemals Küche und Refektorium, wurde im Rahmen der Restaurierungsarbeiten als variabler Ausstellungs- und Konferenzraum hergerichtet.

Der Konventsaal im Erdgeschoß ist der schönste Raum aus der Bauperiode des 18. Jahrhunderts. Es ist ein Rokokosaal mit prachtvoller Stuckdecke. Vier Wandgemälde stellen den Lebensweg des Stifters dar: Student in Heidelberg, Padua und Köln, den Redner auf dem Baseler Konzil, die Kardinalserhebung in Rom, die Gründung des St. Nikolaus-Hospitals. Die Darstellung der vier damals bekannten Kontinente, der kirchlichen Ämterhierarchie und der Wappen des Stifters - Krebs und Brixener Lamm - an der Decke, der großen Kirchenlehrer sowie Papst und Kurfürst aus der Zeit des barocken Umbaus an den Wänden - all das symbolisiert eine Kirche, die bewegt wird von der Festlichkeit der Feudalzeit. Nur die Darstellung der Kreuzigung Christi steht im Gegensatz zu der Pracht des Raumes, vielleicht ein Zeichen dafür, wie bald Macht und Prunk der damaligen Zeit unter den Schlägen der Revolution zerbrechen sollten.

Ein weiterer interessanter Bereich des St. Nikolaus Hospitals ist die Bibliothek, die auf der folgenden Seite zu finden ist.


Öffnungszeiten:

Kapelle:
Sonntag - Freitag von 9:00 - 18:00 Uhr
Samstag von 10:00 - 15:00 Uhr

Führungen (April - Oktober):
dienstags 10.30 Uhr und freitags 15.00 Uhr
Dauer: ca. 90 Minuten (mit Bibliothek)
Preis: 5,00 € / Person

Gruppenführungen: ganzjährig nach Vereinbarung

Preis: 60,00 €

Bibliothek ist nur im Rahmen einer Gesamtführung zugänglich.

Gottesdienste in der Stiftskapelle: samstags und mittwochs 16.00 Uhr

Information unter:
Tel. 0 65 31 / 22 60
Fax: 0 65 31 / 94 087
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